Freshers week
Hab jetzt schon länger nichts mehr geschrieben, hatte in den vergangenen tagen ziemlich viel stress mit diversen dingen. Zunächst mal hatte ich einige infoveranstaltungen zu besuchen, die uni kümmert sich echt rührend um einen, manchmal kommt man sich sogar etwas verarscht vor, weil sie meinen, einem wirklich ALLES bis ins kleinste detail servieren zu müssen. Nebenbei hab ich unmengen an geld investiert, um bei potentiellen vermietern anzurufen, mir absagen zu holen, oder einfach mit niemandem zu sprechen, da keiner ans telefon ging.
Montag abend war ich mit 2 amis, einem aus saarbrücken und amelie in einem der vielen pubs auf dem campus, da gabs dann ne geile britische liveband und ordentlich bier; was an sich gar nicht so teuer ist hier, für 0,5l zahlt man so bis zu 3€. Irgendwie trinken hier alle „Grolsch“, irgendein holländisches bier, schmeckt aber echt gut.
Mittwoch kam dann die große erlösung: nachdem ich immer wieder im ‚housing office’ hier stress gemacht hab, ich bräuchte mal n zimmer, wurde ich in n nebenzimmer gelotst, wo mir dann eine ältere überaus freundliche dame mitgeteilt hat, ich könnte bei ner host family unterkommen für 75₤ die woche, also ca 450€ im monat – was zT billiger ist, als auf dem campus in nem wohnheim zu wohnen. Hab die nacht dann bei moritz, nem anderen deutschen gepennt, und bin am nächsten tag mal wieder ins ungewisse aufgebrochen, hab mich auf den weg zu meiner neuen bleibe gemacht. Meine gast’mutter’ – whatever – und ihr sohn, der 22 ist und an der uni brighton studiert und da auch wohnt, haben mich dann mit dem taxi abgeholt und mich in meinem neuen zimmer einquartiert. Und damit hab ich echt nen guten deal gemacht: das zimmer hat schätzungsweise 18m², alles drin, sogar mit internet, das aber erst noch aktiviert werden muss. Kann ich leider nicht selber, mein gast’bruder’ wird sich darum kümmern, hat er zumindest gemeint. Die leute sind extrem nett und hilfsbereit und ist ganz gut zu wissen, dass man immer einen waschechten engländer fragen kann, wenn man mal etwas nicht weiß.Die wohnung an sich ist relativ klein, aber für meine zwecke tuts das, bin die meiste zeit alleine hier, da die frau als krankenschwester arbeitet. Zwar auch bisschen angegammelt, aber in dem land ist eh irgendwie alles bisschen angegammelt, ohne dass sich jemand dran stört. 2 haken hat die wohnung allerdings; es gibt keine dusche, man kann nur baden hier, und es hat hier nen hund, der irgendwie nicht so recht mit mir zu recht kommt. Aber ich hoff das gibt sich noch. Strange auch, dass der hund überhaupt nicht gerne gassi geht, der hängt den ganzen tag in der wohnung rum, man muss nur ab und zu die türe zum garten aufmachen, dann rennt er in nem 3m² garten im kreis, kackt auf die terasse und hat überhaupt den ganzen garten ruiniert. Aber was kümmerts mich. Solang er mich net beisst…er sieht bisschen nach kampfhund aus, ist aber angeblich – wie das ja alle hundebesitzer behaupten – völlig harmlos. Die frau hat ihn sogar als feigling bezeichnet.
Die gegend um die wohnung ist total gut (für englische großstadtverhältnisse zumindest), ich habs nur 5min zum meer, 10min zu brightons center, 1 min zum bus, der allerdings geschlagene 30min zur uni braucht. Ein weiterer nachteil ist vll, dass ich mich dadurch, dass ich nicht auf dem campus wohn, etwas isoliert hab. Andererseits lernt man jeden tag so extrem viele leute kennen (hab mir insgesamt vll von 50 namen 15 gemerkt). Gestern abend war an der uni eine ‚International Students Welcome Party’, die zwar bisschen lahm war, aber auf der gleichen ebene gabs noch nen pub, der mit sicherheit das geschäft seines lebens gemacht hat. Grolsch en masse. Hab bei der veranstaltung feststellen müssen, dass es hier unmengen deutsche gibt, aus allen ecken…von kiel über halle, düsseldorf, heidelberg, stuttgart, münchen, freiburg bis wien alles in mehrfacher ausführung da. Besonders flashig war, dass ich einen getroffen hab der in konstanz studiert, da konstanz ja nur EINEN platz in sussex hat. Kann eigentlich gar nicht sein, aber naja. Er studiert in konstanz vwl und kennt sogar den oli fleiß und en uwe, die über unsrer wg wollmatingen gewohnt ham. Total krass.
Franzosen hats auch zu hauf da, genauso wie chilenen, mexikaner, spanier und besonders amis, kanadier, sind echt hunderte aus dem ausland da.
Total heftig ist es zurzeit mit leuten spanisch zu reden, da ich den ganzen tag nur am englisch reden bin, teilweise schon englisch denk, trotzdem aber immer noch hauptsächlich deutsch denke. Soll ich dann auch noch spanisch reden, bricht mein ganzes sprachgerüst zusammen. Ist auch total witzig, dass man mit manchen deutschen hier praktisch nur englisch spricht – selbst wenn man sich nur zu zweit unterhält. Switcht man dann um auf deutsch, fallen einem zT normale deutsche wörter nicht mehr ein und man stottert mehr rum als wenn man sich auf englisch unterhaelt.
Ist auch total auffällig, was deutschland für ein gutes bild in europa hat, egal ob franzosen, mexikaner, russen, egal woher, alle liiiieeben deutschland und wollen alle dort leben. War schon öfters peinlich berührt, wenn unser land so angehimmelt wurde…aber natürlich auch stolz und voller nationalis…äh…patriotismus, versteht sich
zu englischen studenten hat man praktisch keinen kontakt. Die scharen sich in kleinen gruppen zusammen und es ist wahnsinnig schwierig da integriert zu werden. Zwar sind sie immer superfreundlich, aber wirklich aufnehmen wollen sie einen nicht. Geht aber allen so, darum bin ich beruhigt
Anreise und erster Eindruck
Montag abend, 25.9.
Dieser eintrag kommt das erste mal direkt aus england.
Ich hatte eine ziemlich anstrengende anreise. Um 4 uhr morgens gings zuhause aus dem bett, nach 4h schlaf, und auf zum flughafen, wurde von rebekka hingebracht. Mir ist ein abschied noch nie so schwer vorgekommen, aber selten hatte ich einen schöneren flug. Bei aufgehender sonne und orange-roten tragflächen hatte man einen wunderschönen ausblick auf das letzte mal heimat. Außerdem hab ich auch mal was aus der luft erkannt – nämlich das daimler-stadion und ganz stuttgart. Bald konnte man auf dem ärmelkanal schiffe schwimmen sehen und kurz darauf die zerküftete küste von england erkennen, die landschaft seicht von nebelschwaden durchzogen. Da musste ich das erste mal grinsen, die engländer und ihr nebel eben…
Am fluhafen konnte ich mir dann gleich ein zug-ticket nach brighton lösen, musste aber zunächst mit dem standsted-express nach london, dort nach einigem rumgegurke und verfahren in der tube victoria station aufsuchen und zum gleis spurten, da der zug nach brighton 4min später schon abfuhr. Trotzdem war noch zeit, um mir eine sprite zu kaufen, bevor ich dann völlig verschwitzt, stinkend und eklig mit meinen 50kg gepäck in der winterjacke (irgendwie muss die ja mit, wenn im koffer absolut kein platz mehr ist) neben einem englischen älteren pärchen platz nahm und meine sprite geext hab, um mir danach den schweiß von der stirn zu wischen, was die frau mit einem „Pheew“ kommentierte. Musste dann noch einmal umsteigen, um in einem schnelleren zug nach brighton zu kommen. Wenn man in brighton aus dem bahnhof rausläuft offenbart sich schon die volle pracht der stadt. Sie sieht echt cool aus, der strand ist wunderschön, ebenso der pier. Nur irgendwie nicht so wirklich entspannend mit 3 gepäcksstücken und keinem plan wo man hin muss.
Bin dann ca 1,5h da rumgeirrt und hab die bushaltestelle gesucht, die mir amelie beschrieben hat. („such nach der linie 25, da und da“ – gut, dass an allen bushaltestellen so ziemlich alle zahlen standen außer der 25, doch per zufall bin ich dann doch zur richtigen hingestolpert, die mich dann zur uni gebracht hat.
Der campus macht einen ziemlich edlen eindruck, da kann man zumindest erkennen wo die 1200 ₤ studiengebühren der studenten hier reinfließen. Mir solls recht sein. An der ganzen uni waren schon die „firsties“ unterwegs, was praktisch die englischen ersties sind. Allerdings sind die 17. wurde dann von amelie abgeholt und konnte mich erstmal setzen. Nachdem ich mich in dieser wundervollen dusche erfrischt habe (in der man in die hocke gehen muss, damit das wasser wenigstens etwas druck entwickelt, ueberhaupt machen die dinger eher den eindruck einer vergasungszelle) hab ich mich erstmal schlafen gelegt und bin erst wieder aufgewacht als es schon dunkel war.
Das wohnheim in dem amelie ihr zimmer hat hat eh eher jugendherbergsstil, unten eine rezeption und überall securities, an denen wir uns vorbeischleichen mussten, da es wohl bisschen illegal ist, einfach leute in seinem zimmer zu beherbergen. Das zimmer an sich ist cool, der internetraum groß und mit extrem schnellen rechnern ausgestattet, das wohnheim an sich aber recht laut. Inzwischen laufen die leute alle mit bier oder wein durch die gegend, was irgendwie dazuzugehören scheint bei den 17jährigen briten.
Etwas seltsam auch, dass auf dem campus kreischende möwen unterwegs sind, da das meer schon n gutes stück entfernt ist. Ansonsten muss man sich wohl an weberknechte gewöhnen, die hier überall rumcruisen und einen völlig unkoordiniert attackieren oder vom wind durch die luft geblasen werden und einem direkt ins gesicht klatschen. Aber dafür können die ja auch nichts.
taking off
„I’m not saying right is wrong, it’s up to us to make the best of all the things that come our way“ (Noel Gallagher, oasis, ‘The Masterplan’–>anhören!!)
morgen um 6:50 fliegt das flugzeug nach london stansted. um 7:25 werde ich landen, mir ein brötchen kaufen, eine zigarette rauchen und zum zug oder bus gehen – je nach dem – und damit nach brighton fahren, wo ich sogar abgeholt werde von amelie, bei der ich erstmal schlafe.
bis dahin spielen sich die größten horrorszenarien in meinem kopf ab. mein koffer ist zum bersten gefüllt. er wird aufplatzen und das band, das ich vorher in meiner angst und not noch (bei woolworth!!!) gekauft habe, wird seinen dienst nicht erfüllen. aber das werde ich erst feststellen, wenn ich gelandet bin und die hälfte meines hab und guts bereits für mich nicht mehr auffindbar auf der rollbahn verteilt rumliegt. vorrausgesetzt ich komme überhaupt in england an. mein handgepäck besteht aus 2 teilen – einer kleineren sporttasche und meiner laptoptasche. laut auswärtigem amt ist nur ein handgepäcksteil erlaubt, aber ich lass es natürlich drauf ankommen. dass keine flüssigkeiten in meinem handgepäck sin, habe ich bedacht. allerdings musste ich dort auch sämtliche illegal heruntergeladene filme und cd-rohlinge in einer 75er-spindel unterbringen, da das sperrige teil nicht mehr in den koffer gepasst hat. deswegen werde ich wahrscheinlich eh noch in deutschland verhaftet.
haltet mir die daumen dass alles glatt geht!
halt euch hier auf dem laufenden
david.
Getting Started
Nach wochenlangem bzw. monatelangem hick-hack mit der uni sussex hab ich nun den punkt erreicht, an dem ich glaube, nur noch ankommen zu müssen und alles wird gut.
bescheinigungen hier, bescheinigungen da, online-anmeldungen, anmeldungen für den health service oder das studentpad, impfstoff organisieren und sich impfen lassen, zig emails an die uni dort schreiben und verzweifelt auf eine antwort warten und und und.
wobei das zzT größte problem WOHNUNG SUCHEN ist. mir wurde ja zunächst ein wohnheimplatz zugesichert, doch da ich nicht das volle akademische jahr in england bleiben werde, wurde mir der platz prompt wieder abgenommen. und nun?
wochenlang hab ich mich mit den englischen wohnungsvermittlungsseiten rumgeschlagen, wobei die regel gilt: inserat kostenlos, leuten die inserieren eine email schreiben=anmeldung und 14 pfund min. (wobei sich auf inserate keine sau meldet)
in meiner verzweiflung hab ich dann übers studiverzeichnis nach leuten gesucht, die in brighton studieren und alle angeschrieben, ob sie jemand kennen der ein zimmer frei hat. das ergebnis war, dass ich vorerst bei Amelie schlafen kann, um mir vor ort eine wohnung suchen zu können. THANK HEAVENS!
der weitere verlauf wird sein, dass ich erstmal mit rebekka nach kreta in den urlauf geh für eine woche, um den ganzen stress noch ein letztes mal hinter mir zu lassen. danach hab ich noch 5 tage in deutschen landen, um den letzten rest an organisatorischem kram erledigen zu können incl koffer packen.
zuerst hatte ich mich gewundert, dass benni und matze so *nervös* *aufgeregt* und *angespannt* gewesen sind, aber langsam beginne ich zu verstehen, wieso. ich bin beileibe nicht so cool auf die welt gekommen, dass mich die letzten tage vor abflug nicht fertigmachen werden.